Wer hat Angst vor Waldhof?
Beim Oberliga-Staffeltag sind die Mannheimer das beherrschende Thema!
Berechtigte Sorge oder Panikmache? Nach zwei Jahren Regionalliga ist der SV Waldhof Mannheim zurück in der Oberliga und damit auch seine mitunter problematischen Fans. Über den Umgang mit den Waldhof-Anhängern wurde im Rahmen des Staf­feltags in Stuttgart kontrovers diskutiert. Das Innenministerium, das eigens den leitenden Polizeibeamten in die WFV-Ge­schäftsstelle entsandte, warnt davor, die Situation auf die leichte Schulter zu nehmen.
Kurpfälzer in Käfighaltung – so titelte der Teckbote vor dem letzten Oberliga-Gastspiel von Waldhof Mannheim beim VfL vor drei Jahren angesichts der massiven Sicherheitsvorkehrungen, die unter anderem eine regelrechte Einzäunung der Waldhof-Anhänger auf der Stadiongegengeraden vorsah. Diese und weitere Maßnahmen empfiehlt Michael Bantle, leitender Polizei­beamter im Innenministerium, den Oberligamannschaften auch für die anstehende Saison. Immerhin hat Waldhof laut Bantle 420 Problemanhänger, von denen 250 gelegentlich und 170 bewusst Gewalt suchend seien – der Fachmann spricht von Fans der Kategorie B und C.
Ob und wie diese die Oberliga unsicher machen könnten, darüber herrschten in den Räumen der WFV-Geschäftsstelle unter­schiedliche Meinungen. Wir gehen davon aus, dass 300 Fans die Mannheimer Auswärtsspiele begleiten werden. 80 bis 100 aus der Kategorie B. In der Kategorie C wird die Zahl vom Gegner abhängen, schätzt Bantle, der den Vereinen neben infrastruk­turellen Vorkehrungen wie Zäunen und separaten Eingängen auch dringend den Einsatz professioneller Sicherheitsdienste empfiehlt. Das können Ehrenamtliche aus dem Verein nicht machen, warnt er.
Und wer zahlt das?, schallte es prompt aus den Reihen der Vereinsvertreter, die der Thematik ansonsten überraschend ge­lassen gegenüberstanden. All diese Maßnahmen sind überzogen, wetterte beispielsweise der Spielleiter des FC Nöttingen, Dirk Steidl, der auf die friedlich verlaufenen Spiele zwischen Mannheim und dem FCN in der Vergangenheit hinwies. Mann­heim soll einfach ein paar Ordner und Polizisten mitschicken, dann passiert gar nichts, glaubt er. Das kann die Polizei nicht leisten, wir pfeifen personell aus dem letzten Loch, winkte Bantle ab.
Ursache und Wirkung stehen hierbei in verhängnisvoller Wechselwirkung: Während der 17 Mannheimer Heimspiele in der vergangenen Regionalligasaison leisteten 2.250 Polizisten 12.900 Einsatzstunden. Dass es dabei zu 45 Festnahmen und 23 bundesweiten Stadionverboten (27 weitere derzeit noch in Prüfung) kam, scheint die offensive Taktik der Staatsmacht zu rechtfertigen – oder etwa nicht? Nicht nur von Mannheimer Seite wird argumentiert, dass massive Polizeipräsenz und Sicher­heitsvorkehrungen die Fans erst recht provozieren würden. Eine Auffassung, die Michael Bantle nicht teilen kann. Waldhof hat diese Fans nicht im Griff, da können Sie mit mir diskutieren wie Sie wollen.
Wie man's besser macht, zeigt laut Bantle das Beispiel des SSV Reutlingen. Dort haben die 65 Problemfans eine Erklärung abgegeben, nach der sie in Zukunft Gewalt und Krawall abschwören wollen. Die beiden direkten Duelle zwischen Reutlingen und Mannheim in der anstehenden Saison dürften Bantle und Kollegen dennoch Kopfzerbrechen bereiten. Abschließend warb er bei den Vereinen für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit. Wir als Polizei möchten nicht als Feindbild wahrgenommen werden.
Wesentlich mehr Sorgen als der Umgang mit Fans bereitete den Vereinsvertretern jedoch die Nachricht, die Günter Seith mit nach Stuttgart brachte. Ab der Saison 2012/13 gibt es für die Regionalligavereine keine Fernsehgelder mehr“, verkündete der Vizepräsident des badischen Fußballverbands, der die baden-württembergischen Vereine beim DFB vertritt. Der Reiz, in der Oberliga Meister zu werden und in die Regionalliga aufzusteigen, wird also in zwei Jahren noch geringer – oder um den stell­vertretenden Vorsitzenden des SGV Freiberg, Walter Wenninger, zu zitieren: Im Amateurfußball gibt es immer höhere An­forderungen bei immer weniger Attraktivität.
Peter Eidemüller | Der Teckbote Online
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